Chronik Teil I. – Rochow, Knoblauch, Bredow & Co

Pessin -

bozyna = Holunder

dessen Ortsname slawischen Ursprungs zu geordnet wird und für bozyna zu deutsch Holunder stehen soll - liegt südlich von Ländchen Friesack im Westhavelländischen Ländchen an der Grenze zur Nauener Platte in mitten des Havellandes. Die Landschaft um Pessin ist eine leicht wellige Grundmoränenlandschaft. Pessin liegt in einem Gebiet dessen Besiedlung bereits zu Zeiten der römischen Kaiser erfolgt war, selbst bronzezeitliche Siedlungen sind im Havelland nicht selten zu finden. Aus dem Jahre 1197 stammt die erste bekannte Nennung eines Ortes Pusyn, einer Zeit wo die Eroberung von den Slawen und Besiedlung des Havellandes durch die Askanier unter Albrecht der Bär (um 1100-1170, Markgraf seit 1134) und Otto II., Markgraf von Brandenburg (* nach 1147; † 1205) ihren Abschluss fand. Die Nennung des Ortes mit dem Namen Pusyn (manchmal auch Posyn geschrieben) erfolgt im Zusammenhang mit Bezeugung der Schenkung im Jahre 1197 vom Ketzin und Knoblauch durch Otto II. an das Domkapitel zu Brandenburg durch ein „Marsilius sacerdos de Pusyn“ (Marsilius, Priester von Pusyn). Die Zuordnung des Priesters nach Pessin (mit Datum 28.05.1197 - siehe: Gustav Abb, Gottfried Wentz: Germania Sacra - Abt. I: Die Bistümer der Kirchenprovinz Magdeburg, Das Bistum Brandenburg, Teil 1, Walter de Gruyter & Co, Berlin 1929, Seite 184) oder Päwesin ist strittig.
Eindeutig hingegen ist nach heutigen Kenntnisstand die erste nachweislich schriftliche Erwähnung von Pessin im Jahre 1269, zu finden bei Moritz W. Heffter: Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten, Verlag von Ferdinand Riegel, Potsdam 1840, Seite 197. 1269 sollen laut Moritz W. Heffter »die Markgrafen Johann I., Otto IV. und Konrad I.« dem Domstift Brandenburg die »Kirche und das Kirchlehn im Dorfe Riez und den dazu gehörigen Ortschaften Pessin und Selvelang« übereignet haben und der Bischof Heinrich I. von Ostheren (*1261; † 1278) soll dazu seine Einwilligung gegeben haben. Von der bei Heffter erwähnten Urkunde (Copiar. antiq. p. 35 sq.) gibt es im Domstiftsarchiv Brandenburg zwei verschiedene Ausführungen, wobei nur in der zweiten Ausfertigung (U. 653) die Orte Selbelang und Pessin erwähnt sind. Ein Regest dieser zweiten Urkunde mit der Erwähnung von Pessin ist zu finden bei Wolfgang Schößler: Regesten der Urkunden und Aufzeichnungen im Domstiftsarchiv Brandenburg, Teil 1: 948 – 1487. Die Urkunde vom 17. Februar 1269 ohne die Erwähnung der Filialkirchen Pessin und Selbelang von der Pfarre des Dorfes Retzow (Rizzowe) findet man im Codex diplomaticus Brandenburgensis – Teil 1, Band 8 Seite 168/169 von 1847. Da Pessin in letzter genannter Urkunde im Codex diplomaticus Brandenburgensis keine Erwähnung fand, ging man jahrelang davon aus, dass Pessin erstmalig nachweislich schriftlich im Jahre 1335 als Possin (5. Dezember 1335) anlässlich der Belehnung derer von Rochow - einem alten einflussreichen märkischen Adelsgeschlecht - durch den Markgrafen Ludwig I. (Ludwig der Brandenburger; Ludwig V. - Herzog von Bayern) (* 1315, † 1361) (siehe: Codex diplomaticus Brandenburgensis - Teil 1, Band 10 Seite 120/121 von 1856) erwähnt wurde. Dieses Datum und der genannte Anlass wären als Ersterwähnungsdatum falsch, denn bereits am 9. Juni 1335 in der Anordnung zur Regelung des Unterhalt der Dämme zu Brandenburg des Markgrafen Ludwig I. wurde Pessin neben zahlreichen anderen Ortschaften des Havellandes erwähnt, siehe dazu Codex diplomaticus Brandenburgensis – Teil 1, Band 9, Seite 32 von 1849, die Originalurkunde befindet sich heute im Stadtarchiv von Brandenburg an der Havel. Im Landbuch von Kaiser Karl IV. von 1375 findet Pessin im Zusammenhang mit dem Besitzungen von Fritze von Knobelisk (Fricze von Knoblok, Fritze von Knoblauch) († ca. 1382) und den Nutzungsrechten derer von Bredow Erwähnung.

Woher der Name "Pessin" stammt, der im Laufe der Zeit immer wieder verändert geschrieben wurde (Possin (1335), Possyn, Pozzyn (1354), Pozzin, Possin (1416), Pözzin, Posin), ist nur zu vermuten. Unumstritten ist die Zuordnung des Ortsnames, welcher dem slawischen Ursprungs zu geordnet wird. Es wurde ein Zusammenhang zum slawisch pes = Hund vermutet ebenso zum slawisch pesc = Sand (slawische pjeskusa = sandige Erde) vergleichbar mit dem russischen peski = Sandgebiet, Sandboden. Die moderne Toponomastik ordnet den Ortsname jedoch dem slawisch bozyna (bĭzŭ) = Holunder oder „Schwarzer Flieder“ zu.

Knoblauch und Bredow

»Sagt man von den Bredows, dass hinter jedem Busch im Havelland ein Bredow säße, so kann man getrost auch behaupten, dass hinter jedem Bredow noch ein Knoblauch saß. Die Besitzverhältnisse an den Rittergütern im Havelland zeigen, dass neben den Bredows zu anderen Zeiten dieselben Güter den Knoblauchs gehörten.« (Quelle: Ketziner Heimatverein über den Ort Knoblauch)

Wappen derer von Knoblauch

Bredow und Knoblauch - man kann sie drehen, wie man will, die Namen zweier Adelsgeschlechter, die eng mit der Geschichte von Pessin verbunden sind. Ebenso eng ist Pessin verbunden mit der Geschichte der Mark Brandenburg. Das Einzigartige an Pessin ist jedoch, dass man diese Geschichte heute zum Teil noch immer entdecken kann und auf ihren Spuren wandeln kann.

Das 1419 (laut Türbalken 1412) durch Sigismund von Knoblauch († 1445), er gilt als der Stammvater der Familie von Knoblauch zu Pessin, errichtet Herrenhaus ist eins der ältesten Häusern von Pessin. Es war das Gutshaus des Gutes Pessin, mit welchem die von Knoblauch im Jahre 1416 von Kurfürsten Friedrich I. von Brandenburg aus dem Hause der Hohenzollern (* 1371; † 1440) belehnt wurden. Jedoch war Sigismund von Knoblauch nicht der Erste der diesen Standort wählte. Das schlichte zweigeschossige Fachwerkhaus ist auf den dicken Grundmauern eines zum Teil gewölbten Kellers errichtet worden, die einer älteren Burg an selbigem Standort zugerechnet werden. Sigismund von Knoblauch war auch nicht der Erste derer von Knoblauchs in Pessin, bereits sein Vater findet als Fritze von Knoblauch auf Pessin († ca. 1382) Erwähnung. Die märkische Linie derer von Knoblauch begann jedoch mit der Witwe Margarete dicta de Clebeloke, mit deren Name das Geschlecht derer von Knoblauch (auch Knobelisk, Knoblok, Clebeloke, Clebeloc, Cnobeloc, Knobelauch oder Knobloch) am 24. Dezember 1316 erstmals erwähnt wurde.

 

Balthasar-Joachim von Knoblauch (*1586; † 1632) - er erhält 1610 von seinem Vater das Rittergut Pessin

Bei Andreae, A. & Geiseler, U., Die Herrenhäuser des Havellandes ist auf Seite 235 zu lesen:
»1608 wurden in Pessin acht Rittersitze registriert, womit der Ort zusammen mit dem nahegelegenen Retzow den Spitzenwert aller damals registrierten Orte mit adligen Wohnsitzen in der Prignitz, Mittel- und Uckermark aufwies. Sieben dieser Rittersitze gehörten der Familie von Knoblauch, einer befand sich im Besitz eines Jobst von Bredow.«

Derer von Knoblauch waren bis 1932 in Pessin ansässig, im 18. Jahrhundert waren es gleich ihrer sieben Zweige. Ein Vertreter derer von Knoblauch zu Pessin war Friedrich Wilhelm von Knoblauch (* 1798; † 1852) im ausgehende 18. Jahrhundert geboren war er der Pessiner Gutsherr zu Beginn des 19. Jahrhundert. Zum Pessiner Gut derer von Knoblauch gehörte auch die „Bardelebens Meierei“, die am 30. April 1833 den Namen Paulinenaue erhielt. Namenspatronin der heutigen Gemeinde Paulinenaue war Friedrich Wilhelm von Knoblauchs Braut und spätere Gattin Pauline von Bardeleben (* 1811; † 1884). Deren Wappen ist heute noch in der Pessiner Dorfkirche zu finden und ihr Grabstein auf dem Pessiner Friedhof wurde im Frühjahr 2006 durch eine regionale Fachwerkstatt aufwändig wieder herrichten. Die hatte ihr noch heute eng mit dem Havelland verbundener Nachkomme Rolf von Knoblauch veranlasst.

Knoblauchsche-Bredower Ehen

Wappen derer von Bredow

Die enge Beziehung derer von Knoblauch und derer von Bredow zu Pessin und zu einander wird auch durch die Ehe von Wolf Dietrich Otto von Bredow zu Senzke (* 1834; † 1920) und Pauline Ernestine Elisabeth von Knoblauch (* 1843; † 1904) einer Tochter von Friedrich Wilhelm von Knoblauch und Pauline Ernestine Elisabeth von Knoblauch, geb. von Bardeleben belegt, ebenso durch die Ehe von Karl Friedrich von Knoblauch (* 1797 in Pessin; † 1862 in Pessin) und Johanne Karoline Wilhelmine Sophie von Bredow (* 1798 in Pessin; † 1827) deren Tochter Sophie Karoline von Knoblauch (* 1826; † 1897) hin wieder mit Karl Friedrich Wilhelm Adolf von Bredow (* 1827; † 1885) am 7. November 1853 in Pessin einen Spross aus dem Hause von Bredow ehelichte. Jedoch waren die von Bredows und Knoblauchs nicht nur untereinander verheiratet, es bestanden auch verwandtschaftliche Beziehungen zu anderen bekannten havelländischen und preußischen Adelshäusern wie von der Hagen, von Zieten, von Lochow aus dem Hause Nennhausen oder von Kleist. So war Joachim von Knoblauch, Herr auf Pessin mit Maria von Zieten verheiratet und Ihre Tochter Maria Elisabeth von Knoblauch mit Friedrich von Retzow, Herr auf Retzow verheiratet. Aus letzter Ehe ging eine Tochter namens Maria Agnes von Retzow hervor, diese ehelicht 1667 den Oberstleutnant der v.Bomsdorf-Dragoner und Herrn auf Pessin Heino Friedrich von Kettwig, welcher bei der Belagerung von Stettin fiel.

Der Adel in Pessin

Wappen derer von Winterfeld

Neben derer von Knoblauch und Bredow wurden weitere Adelsfamilien in Pessin erwähnt. So sollen derer von Hünicke (Hunicke, Hünecke) bereits 1375 ein Gut in Pessin besessen haben. Weiter erwähnte Adelsfamilien in Pessin sind derer von Fahrenholz, von Kettwig, von Donner und ab 1932 von Bake. Ebenso findet eine Christiane Auguste von Boden auf Pessin Erwähnung, welche am 17. Feburar 1776 in Pessin starb und mit Christian Wilhelm von Zastrow aus dem Hause Wusterhausen verheiratet war. Ihr Vater war der Staatsminister Freiherr Friedrich August von Boden (* 1682; † 1762), Dechant des St. Sebastiansstiftes in Magdeburg, auf Kloster Mansfeld und Pessin. Weitere Adelsfamilien den Spuren in Pessin zu finden, sind derer von Platen, von Winterfeld, von Plessen, von Zieten, von Karstedt und von Zicker. Ilsabe Sophia von Zicker (* 1690; † 1750 in Pessin) heiratet 1710 Caspar Joachim von Knoblauch. Ihre Eltern waren Adam Joachim von Zicker und Agnes von Winterfeld. Ihr Sohn Joachim Friedrich von Knoblauch (*1711; † 1785) heiratet 1762 in Lohm Marie Elisabeth Von Platen (*1745; † 1813). Ihre Familienwappen zu Ehren ihrer Vermählung findet man an der Südempore der Dorfkirche Pessin. Die Verewigung der Wappen anlässlich von Eheschließungen muss im Hause derer von Knoblauch Tradition gewesen sein, da diese Wappen neben der Südempore auch die Nordempore der Kirche zieren.

Literatur-Nachweis

  1. Codex diplomaticus Brandenburgensis – Teil 1, Band 8, Seite 168/169 von 1847
  2. Codex diplomaticus Brandenburgensis – Teil 1, Band 9, Seite 32 von 1849
  3. Codex diplomaticus Brandenburgensis - Teil 1, Band 10, Seite 120/121 von 1856
  4. Gustav Abb, Gottfried Wentz: Germania Sacra - Abt. I: Die Bistümer der Kirchenprovinz Magdeburg, Das Bistum Brandenburg, Teil 1, Walter de Gruyter & Co, Berlin 1929, ISBN 978-3-11-001284-2
  5. Andreae, A./Geiseler, U., Die Herrenhäuser des Havellandes, 2001, ISBN 3-931836-59-2
  6. Theodor Fontane: Das Ländchen Friesack und die Bredows - Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-7466-5707-5
  7. Dr. Henning v. Koss: Das Ländchen Friesack und die Bredows - Eine Wanderung durch sechs Jahrhunderte, Märkische Verlagsgesellschaft Kiel, Kiel 1965, ASIN: B0000BKF0C
  8. Kreil: Amtsbereich Friesack - Streifzüge durch Ländchen und Luch -, Geiger-Verlag (1996), ISBN 3-89570-131-9
  9. Klaus-Dieter Wille: Von Ort zu Ort durchs Havelland, Stattbuch Verlag, Berlin 1996, ISBN 3-922778-57-7
  10. Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon, von Prof. Dr. Ernst Heinrich Kneschke, 1860 bei Friedrich Voigt in Leipzig
  11. Neues Preussisches Adels-Lexicon,von Freiherr Leopold Zedlitz-Neukirch, 1836 bei Gebrüder Reichenbach in Leipzig
  12. Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band VI, Seite 320, Band 91 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1987
  13. www.rootsweb.com
  14. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser, Teil B 1941, Verlag Justus Perthes, Gotha 1941
  15. Amtsblatt 1912 - (Stadt und Landesbibliothek Potsdam (StLB))
  16. Horst Weikert - Beiträge in der Märkischen Allgemeine vom Januar bis Mai 2008
  17. Historisches Ortslexikon für Brandenburg; bearb. von Lieselott Enders und Peter P. Rohrlach; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, Teil 3. Havelland; Weimar, Böhlau 1972, Seite 222
  18. Wolfgang Schößler: Regesten der Urkunden und Aufzeichnungen im Domstiftsarchiv Brandenburg, Teil 1: 948 – 1487, BWV - Berliner Wissenschafts-Verlag, 1998, ISBN 3-8305-0189-7, (1999 ISBN 3-7400-1057-6)
  19. Paul Kühnel: Die slavischen Ortsnamen in Meklenburg - Verein für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. - (Aufsatz 1, Bd. 46), Schwerin 1881, Seite 8